|
Die
Geschichte des SVN
1976
- Aus dem Jubiläumsbüchlein "150 Jahre Schützenverein Neunkirch 1826
- 1976"
Vorwort
Die seit dem letzten Weltkrieg einsetzende Wandelung in der
Einstellung dem eigenen Land, seiner Armee, seinen Institutionen
gegenüber - nationales Bewusstsein wird heute immer mehr in Frage
gestellt - könnte mit der Zeit auch die Schiessvereine nachteilig
beeinflussen. Käme es soweit, so wäre das Schiessen, seiner
Tradition, seines inneren Gehaltes ledig, nur noch ein Sport unter
anderen.
Das darf nicht sein. Schiessen soll wie bisher auch ein Bekenntnis
sein, ganz im Sinne der Statuten des Schützenvereins Neunkirch aus
dem Jahre 1967: "Der Schützenverein Neunkirch fördert die
Schiesstätigkeit seiner Mitglieder im Interesse der
Landesverteidigung. Er fördert die vaterländische Gesinnung und die
Pflege guter Kameradschaft.
Schiessen und Treffen, im Bewusstsein der eigenen Verantwortung sich
einer von den meisten Bürgern akzeptierten staatlichen Ordnung
freiwillig beugen, eine aufrichtige Kameradschaft pflegen - darin
besteht heute noch das Credo eines wackeren Schützen.
Das
erste Schützenhaus
Aus
"Geschichte der Stadt Neunkirch": Das Schützenhaus lag vor dem
oberen Tor, aber jenseits des Grabens. Das äussere Tor trug die
Jahreszahl 1419; weil Tor und Schützenhaus zusammengebaut waren, so
können wir daraus schliessen, dass diesem Jahr das Vorwerk und
wahrscheinlich auch zugleich das Schützenhaus gebaut wurde. Zum
ersten Mal wird dasselbe urkundlich im Jahre 1568 erwähnt"
16. Jahrhundert
Alten Überlieferungen zufolge war das Schiessen in unseren
Tälern, zuerst mit Bogen und Armbrust, später mit der
Handfeuerwaffe, von jeher heimisch. Denn damals wusste ein jeder,
dass nur Wehrhaftigkeit für Freiheit bürgen kann, demzufolge wurde
in der Eidgenossenschaft der Mann, der nicht jederzeit bereit war,
seine Freiheit mit der Waffe in der Hand zu schirmen, verachtet. So
ist es kein Wunder, dass schon im 16. Jahrhundert das Schiessen auch
in Neunkirch fleissig geübt wurde. Bereits 1567 und 1595 soll es in
Neunkirch grössere Schiessen gegeben haben. Das Bestehen einer
Schützengesellschaft wird gleichfalls 1541 urkundlich erwähnt -
demnach waren die Freischiessen in Neunkirch Tradition geworden.
17. Jahrhundert
Als in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts während des
Dreissigjährigen Krieges die Überlegenheit der Handfeuerwaffen
eindeutig festgestellt werden konnte, bemühte sich die Obrigkeit,
das Schiessen nach Kräften zu fördern. Ein Mittel dazu war die
periodische Abhaltung von Schützenfesten - eine Gelegenheit, nicht
nur die eigene Treffsicherheit unter Beweis zu stellen, sondern auch
die Geselligkeit gebührend zu pflegen. Dazu lockten ansehnliche
Preise, die der erfolgreiche Schütze als Belohnung erhielt. Dies
ungefähr nach dem Motto:
"Lasst uns eine Gabe fliessen,
dass wir nach dem Ziele schiessen,
dass wir üben Aug' und Hand,
schiessen für das Vaterland."
Nach
dem Merianstich der Stadt Neunkirch aus dem 17. Jahrhundert befand
sich der erste Schiessplatz hinter der alten Kleinkinderschule. Von
dieser Stelle schoss der Schütze in südliche Richtung gegen die
Schützenmauer, die als Schutzmauer für die Zeiger diente.
1695
Grosses Freischiessen, an dem sich 230 Schützen aus der Herrschaft
Neunkirch beteiligten. Die Regierung erliess überdies ein Mandat,
dass während des Festes alles in "gebührender Bescheidenheit hergehe
und jedermänniglich sich alles Übermutes, Tanzes und Spielens
entmüssigen solle." Allein das Verbot wurde - mit Recht - in keiner
Weise beachtet. Abschliessend bemerkt ein Hallauer Chronist: "Der
Schiesset hat auch sonst vill Geldt kostet!"
Damals war es nicht leicht, die Leute zu veranlassen, sich mit
neueren Waffen zu versorgen. So griff z. B. der Berner Rat 1712 zu
einem radikalen Mittel. In einem Erlass wurde angeordnet, dass nur
der Mann, der mit feldmässiger Armatur, d. h. mit Füsil (Gewehr)
samt Bajonett, Patronentasche und Säbel versehen sei, heiraten
dürfe!
19.
Jahrhundert
Mit
dem Schicksalsjahr 1798 begann eine Wendezeit, die überreich war an
bedeutenden und tragischen Ereignissen. Uneins, in Fraktionen
gespalten, leisteten die Eidgenossen den einfallenden französischen
Heeren gegenüber kaum Widerstand. Dieses schmähliche Versagen eines
einst so stolzen und tapferen Volkes kostete unserem Land Jahre des
Schreckens, der Demütigung und der schonungslosen Ausbeutung. Erst
nach dem Sturze Napoleons 1814 besserten sich nach und nach die
Verhältnisse.
Die Gründung des SVN - 1826
Auch das Schützenwesen - man empfand das Schiessen als eine
patriotische Pflicht - blühte wieder auf. Im Zuge dieser Entwicklung
taten sich auch in Neunkirch einige beherzte Männer zusammen und
beschlossen gleichfalls, eine Schützengesellschaft zu gründen. 1826
war es soweit, 22 Bürger meldeten ich und traten als "wirkliche
Mitglieder" der Gesellschaft bei.
1828
erfolgte schon das erste Freischiessen in Neunkirch, das drei
Tage dauerte und wohlgelang.
1839
kam
das vierte kantonale Schiessen in Neunkirch zur Durchführung.
"Einträchtig zogen die vereinten Schützen mit Fahnen und Trommeln in
das festlich geschmückte Städtchen"
~
1960
Als
die Deutsche Bahn war man genötigt einen anderen Schiessplatz zu
suchen. Man fand einen geeigneten Ort in der Wyde. Für diese
Verlegung musste die Bahn den Schützenverein entschädigen.
1864
180
Schützen beteiligten sich an einem kantonalen Feldschiessen in
Neunkirch. Das Schiessen endete tragisch, denn kurz vor Schluss
wurde ein Zeiger durch ein Geschoss schwer verletzt.
1873
trat
die Schützengesellschaft Neunkirch dem kantonalen Verband bei.
1875
übernahm die Feldschützengesellschaft Neunkirch wiederum das
kantonale Schützenfest.
In diesem und den folgenden Jahren kam es zu zahlreichen Austritten
von Schützen. Im Protokoll heisst es diesbezüglich: "Es erfolgten
viele Austritte, darunter hie und da solche, die nach 'Weibsbildern'
riechen; dadurch ist die Zahl der Mitglieder bedenklich klein
geworden." Warum damals angeblich Frauen eine so verhängnisvolle
Rolle gespielt haben sollen wird leider nicht erwähnt.
1889
wurde
ein neues Gewehr mit grosser Tragweite eingeführt. Das Schiessen in
einem offenen Gelände wurde zu gefährlich. Aus zwei Vorschlägen
wählte man nach einigen Probeschiessen ein Platz im Horn mit
Schussrichtung gegen das Bohl. Heute noch werden alle Schiessübungen
und Schiessanlässe auf dem Schiessplatz im Horn abgehalten, der
beste Beweis, dass die damalige Entscheidung richtig war. Möge
dieser Schiessplatz noch lange seinen Dienst tun.
1899
Das
Jahrhundert einer emsigen und erfolgreichen Schiesstätigkeit ging zu
Ende. 1826 als "Schützengesellschaft" aus der Taufe gehoben,
wechselte später der Verein seinen Namen in
"Feldschützengesellschaft Neunkirch". Von 1899 an nannte er sich bis
heute "Schützenverein Neunkirch".
20.
Jahrhundert
Als
Ende 1899 die Glocken nicht nur die Geburt eines neuen Jahres,
sondern zugleich die Herankunft eines neuen Jahrhunderts weiterhin
verkündeten, da ahnte niemand, wie verhängnisvoll und blutig die
nächsten Jahrzehnte werden sollten. Zweit grauenhafte Kriege, die
Europa erschütterten und an den Rand des Ruins brachten, dazwischen
eine weltweite Wirtschaftskrise, das war die traurige Bilanz der
ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. Durch die Grenzbesetzung litt
auch die Schiesstätigkeit unseres Schützenvereins zeitweilig stark,
da viele Schützen an der Grenze standen und die Munition öfters
rationiert wurde. Dennoch überstand der Verein auch diese trüben
Zeiten gut.
1908
Als
1908 die Schutzhütte im Horn einem Brand zum Opfer fiel, musste
baldmöglichst für
Ersatz
gesorgt werden, um eine unliebsame Störung der Schiesstätigkeit zu
vermeiden. Dank gemeinsamen Anstrengungen
konnten die Bauarbeiten rasch beendet werden, nach kurzer Zeit war
das stattliche Werk vollendet. Der Schützenverein konnte nun stolz
sein auf seine "Schutzhütte", die ihre Aufgabe vorbehaltlos
erfüllte.
Bundesprogramm von 1908
|
auf 300 m |
eine Passe |
stehend |
Scheibe A |
|
auf 400 m |
eine Passe |
liegend |
Scheibe A |
|
auf 300 m |
eine Passe |
aufgelegt |
Scheibe B |
|
auf 300 m |
eine Passe |
liegend od. kniend |
Scheibe A |
Schoss man anfänglich liegend, kniend und stehend, fiel das letztere
zuerst aus, da die Treffsicherheit in dieser Stellung auf einer
Distanz von 300 m allzu begrenzt war und der Schütze sich geradezu
als Zielscheibe darbot. Später verzichtete man gleichfalls auf das
kniend Schiessen, so dass ab 1964 nur noch liegend geschossen wurde.
Auch das Schiessen auf 400 m und 500 m liess man fallen.
1971
Beim
Endschiessen vom 26. September 1971 z. B. gab es folgende Stiche:
-
Sektionsstich
-
Militärstich
-
Auszahlungskehr
-
Jungschützen- und Wyberstich
-
Juxstich (Schüsse auf Ballone, Preis: Wein)
-
Dreierschiessen
1926
Das
wohl grösste Ereignis im Jahre 1926 war die Feier des 10jährigen
Jubiläums des Schützenvereins Neunkirch. An einer hundertjährigen
Geburtstagsfeier ist nur das Beste gut genug, sagten wir uns, und
engagierten für den Anlass ein erstklassiges Ball- und
Unterhaltungsorchester. Als angenehmer Abschluss liessen der
Gemeinde- sowie der Bürgerrat unserem Kassier je die Summer von Fr.
30.– als Jubiläumsgabe überweisen.
Im gleichen Jahr wurde die Scheibenanlage im Horn erweitert und
verbessert. An diese Arbeiten leistete die Gemeinde einen Beitrag
von Fr. 500–.
1953
war
der Schützenstand baufällig geworden. Wohl oder Übel musste der
Verein sich mit dem Gedanken befassen, das bestehende Schützenhaus
durch eine Neubaute zu ersetzen. Hier ein Abschiedsvers an das alte
Schützenhaus:
"Dem
Tode geweiht ist dieses Haus,
Wo mancher Schütze ging ein und aus.
Es hat das Knallen gut vertragen,
Nun geht es ihm an den Kragen,
Zu Boden wird es abgerissen;
Schlaf wohl auf sanften Ruhekissen!"
Die
Gesamtkosten beliefen sich auf Fr. 39'000.–, wovon die Gemeinde Fr.
35'000.– übernahm. Der Schützenverein musste lediglich für die
restlichen Fr. 4'000.– aufkommen. Um sich diese Summe zu beschaffen,
beschloss der Verein auf Antrag des Vorstandes die Abhaltung eines
Standeinweihungs-Schiessens kombiniert mit einer Fahnenweihe.
Nachdem der Neubau 1954 fertiggestellt war, stand dem Schützenverein
Neunkirch ein Schützenhaus zur Verfügung, das allen Ansprüchen
gewachsen ist. Besonderer Beliebtheit erfreute sich die
Schützenstube. Möge dieses Schützenhaus, das diesmal aus solidem
Mauerwerk besteht, noch lange der Pflege der "vortrefflichen"
Schiesskunst und einer aufrechten Kameradschaft dienen!
Quelle: "150 Jahre Schützenverein Neunkirch 1826 - 1976"
2001
Mit
einem fröhlichen Fest wurde 2001 das 175jährige Jubiläum gefeiert.
|